#3 – Stadtbild(er)
Show notes
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Guests & Hosts:
Guests (in order of appearance):
Vertr.-Prof. Dr. Anne-Kathrin Will, Vertretungsprofessorin an der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Hochschule Zittau/Görlitz
Prof. Dr. Seda Rass-Turgut, Professorin für Soziale Arbeit und Diversität, Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Hildesheim, Holzminden, Göttingen
Stojan Gugutschkow, ehem. Leiter des Referates für Migration und Integration Leipzig
Jun.-Prof. Dr. Heike Hanhörster, Fachgebiet Soziale Kohäsion, Diversität und Migration in der räumlichen Planung, Technische Universität Berlin
Daniel Cohn-Bendit, Publizist und ehemaliger Abgeordneter im Europäischen Parlament, Bündnis 90/Die Grünen und Europe Écologie-Les Verts
Prof. Dr. Hannes Schammann, Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Migrationspolitik, Universität Hildesheim
Hosts:
Dr. Sophie Hinger, Universität Osnabrück
Dr. David Templin, Universität Osnabrück
Francina Guggenberger, Universität Osnabrück
Sprecherin/Moderation: Sina Wollgramm, Podcastfabrik Bielefeld
Credits:
Episode concept: Francina Guggenberger, Vera Hanewinkel, Sophie Hinger, David Templin
Script: Francina Guggenberger, Vera Hanewinkel, Sophie Hinger, David Templin
Editorial team: Feline Engling Cardoso, Vera Hanewinkel, Leona Schmidt
Recording: Feline Engling Cardoso, Vera Hanewinkel, Leona Schmidt
Audio editing & post-production: Sina Wollgramm, Podcastfabrik Bielefeld
Music: Christoph Rass, created with Suno AI
Contact / Feedback:
E-Mail: imis-medien@uni-osnabrueck.de.
Instagram: @imisosnabrueck
BlueSky: @imisosnabrueck
LinkedIN: https://www.linkedin.com/company/imis-institut-fuer-migrationsforschung-und-interkulturelle-studien
Legal Notice / Publishing Party:
SFB 1604 Produktion von Migration, Der Vorstand
Universität Osnabrück
Seminarstraße 19 a/b
49074 Osnabrück
Germany
www.sfb1604.uni-osnabrueck.de/impressum
Website:
More about this episode, its guests and hosts:
https://www.uni-osnabrueck.de/sfb1604/production-insights/podcast
Show transcript
00:00:00: Bei der Migration sind wir sehr weit.
00:00:02: Wir haben in dieser Bundesregierung die Zahlen August, April, August, September im Vergleich um sechzig Prozent nach unten gebracht.
00:00:09: aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem und deswegen ist der Bundesinnenminister ja auch dabei jetzt in sehr großem Umfang auch Rückführungen zu ermöglichen und durchzuführen.
00:00:20: Was wenn Migration nicht einfach passiert sondern gemacht wird?
00:00:26: Willkommen
00:00:27: bei Production Site dem Podcast über die gesellschaftliche Aushandlung von Migration.
00:00:33: Wir untersuchen, wie Migration hergestellt wird – durch Politiken, Institutionen und Kategorien.
00:00:41: Und wir fragen, welche Rolle spielt dabei die Migrationsforschung selbst?
00:00:48: Willkommen zu einer neuen Folge von Productionszeit!
00:00:54: Es ist Herbst, zwei tausend fünfundzwanzig.
00:00:56: In Talkshows, Kommentarspalten um politischen Debatten geht es plötzlich um das Stadtbild.
00:01:01: Der Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende Friedrich Merz erklärt die Sichtbarkeit von Migration in der Stadt zum Problem.
00:01:08: Und schürt damit Récentiments gegen Migrantinnen.
00:01:12: Neu ist das nicht, sondern ein Muster, dass sich seit Jahrzehnten beobachten lässt – und von Zeit zu Zeit im politischen Debatten auf
00:01:19: scheint!
00:01:20: Bevor Merz das Stadtbild thematisierte, hatte es bereits die AfD getan.
00:01:24: So warb sie etwa im Kommunalwahlkampf in Gelsenkirchen mit dem Slogan «Eine saubere Heimat mit einem gepflegten Stadtbild» und verknüpfte diesen direkt mit Zuwanderung aus Südosteuropa.
00:01:36: Wissenschaftlerinnen wie die Kommunikationssoziologin Natascha Kelly kritisieren solche Aussagen – Die rassistischen Untertöne seien unüberhörbar.
00:01:44: Menschen, die vermeintlich nicht Deutsch aussehen würden als nicht zugehörig und stöhrend
00:01:49: markiert.
00:01:50: Solche rassistischen Unterscheidungen wurden während der Kolonialzeit institutionalisiert.
00:01:55: Sie bestehen bis heute als Macht- und Verhältnissystem, das heißt auch als Wissenstradition.
00:02:01: Das meint Kelly wenn sie von kolonialen Kontinuitäten spricht.
00:02:05: Diese Folge unseres Podcasts setzt sich mit der Verräumlichung vom Migrationauseinander.
00:02:11: Dabei geht es darum, wie Debatten um Migration auf bestimmte Städte oder bestimmte Orte in der Stadt projiziert und an ihnen ausgehandelt
00:02:19: werden.
00:02:20: Gestaltet wird diese Folge von Forscherinnen an der Universität Osnabrück die sich im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Sonderforschungsbereich Produktion vom Migration mit der Herstellung und Zirkulation von Wissen über Migration in der statt beschäftigen.
00:02:36: Sie schauen sich an, wie Akteure aus Wissenschaft, Stadtverwaltung und Politik Wissen produzieren – wie dieses Wissen zirkuliert und wie es genutzt wird.
00:02:45: Der Blick geht dabei zurück bis in die neunzehnhundertsiebziger Jahre.
00:02:49: Eine der Wissenschaftlerinnen ist die Sozialgeografin Sophie Hinger.
00:02:53: Sophie, erklär uns doch einmal was genau er unter der Produktion von Wissen über Migration um Migrantinnen in der Stadt versteht!
00:03:01: Kommunen produzieren Wissen über Migration, zum Beispiel indem sie Teile der städtischen Bevölkerung als Migrantinnen kategorisieren.
00:03:08: Diese zählen und in Bezug auf ihre Wohnorte lokalisieren.
00:03:12: Solche Zahlen und Karten werden auch von der Stadt- und Migrationsforschung aufgegriffen und verwendet.
00:03:17: Umgekehrt greifen Städte auf wissenschaftliche Studien, Konzepte und Beratungen zurück um politische Entscheidungen zu begründen oder Maßnahmen zu planen die zum Beispiel das alltägliche Zusammenleben verbessern sollen.
00:03:29: Ursprünglich von der wissenschaft geprägte Konzepte wie Segregation, Superdiversität oder Ankunftsquartier werden zum Teil auch von Stadtverwaltung und in der politischen Debatte genutzt.
00:03:39: Und die Medien spielen natürlich auch eine Rolle – sie verstärken bestimmte Bilder etwa vom Ghetto- oder von angeblichen migrantischen Problemvierteln.
00:03:46: Solche Begriffe beeinflussen sehr stark, wie Stadtteile wahrgenommen werden und wie Politik und Verwaltung dort handeln.
00:03:52: Sie prägen außerdem die gesellschaftlichen Vorstellungen von Migrationen.
00:03:57: Der Verweis auf Probleme im Stadtbild knüpft an diese Debatten und damit verbundene Bedrohungsszenarien von Ghettoisierung oder der Bildung sogenannte Parallelgesellschaften an.
00:04:08: Wir werden in diesem Podcast solche Diskurse genauer beleuchten, uns interessiert wie, warum und durch wen solche negativen räumlichen Deutungen vom Migration hervorgebracht
00:04:18: werden –
00:04:19: sich etablieren und Wirkung entfalten?
00:04:21: Zudem wollen wir nachzeichnen, welche positiven und chansenorientierten Sichtweisen auf Migration in der Stadt diesen negativen Deutungen entgegengesetzt
00:04:30: werden.
00:04:30: Dazu treten wir zunächst noch einmal einen Schritt zurück und fragen danach wie Städte und Migration überhaupt zusammenhängen?
00:04:38: Wenn wir über Migration sprechen, denken viele an Bewegung von einem Land ins andere.
00:04:43: Städte kommen in diesen Debatten meist nur am Rand vor.
00:04:46: Dabei sind sie ihr Zentrum.
00:04:48: Historisch gesehen sind Städter und Migration eng verknüpft.
00:04:52: Stände entstehen dort wo Menschen zusammenkommen aus unterschiedlichen Regionen mit unterschiedlichen Hintergründen und Motivationen.
00:04:59: Stätte wachsen v.a.
00:05:00: weil Menschen
00:05:01: zuziehen
00:05:02: um Arbeit zu suchen Schutz oder Möglichkeiten die es anderswo nicht gibt.
00:05:11: Schon die frühsten Städte
00:05:12: waren Orte der Bewegung.
00:05:14: Handeltreibende, Handwerksleute, Soldaten und Arbeitskräfte – Menschen kamen, blieben, zogen weiter.
00:05:21: Stadtgeschichte ist immer auch Migrationsgeschichte.
00:05:24: Auch die moderne Großstadt ist ohne Migration nicht denkbar.
00:05:28: Von der Industrialisierung bis zur Herausbildung der globalisierten Dienstleistungsgesellschaft jede Phase urbaner Entwicklung war begleitet vom Migrationsbewegungen.
00:05:38: Migration in der Stadt ist also keine Ausnahme, sondern Normalfall.
00:05:42: Statt ist Migration, schreibt der Soziologe Erol Yildiz.
00:05:46: Damit ordnet er Stadtgeschichte als Migrationsgeschichte ein und rückt Migration als integralen Bestandteil urbaner Entwicklungen in den Mitteln- und Ausgangspunkt seiner Überlegungen.
00:05:56: Hier knüpft auch die Stadtforschung
00:05:58: an.
00:05:59: Schon frühe Stadtsoziologen haben Städte als Orte des Ankommens beschrieben – als Räume, in denen Fremde aufeinandertreffen.
00:06:06: Georg Simmel, Mitbegründer der deutschsprachigen Soziologie sprach von der Großstadt als einem Ort an dem Nähe und Distanz gleichzeitig entstehen und sich Fragen nach der Balance von individueller Freiheit und sozialem Zusammenhalt stellen.
00:06:19: Genau dieses Spannungsverhältnis ist typisch für
00:06:22: Migrationen.
00:06:23: Die klassischen Studien der Chicago School, die Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts an der Universität von Chicago entstanden, zeigen Städte als Mosaike.
00:06:31: Zusammengesetzt aus kleinen benachbarten jedoch getrennten Welten
00:06:35: –
00:06:35: geprägt durch Zuwanderung, soziale Mobilität und Ungleichheit.
00:06:39: Migration ist hier keine Störung des urbanen Gefüges, sie ist ein strukturierendes
00:06:43: Prinzip.".
00:06:44: Auch neuere Migrationssoziologische Ansätze denken Stadt und Migration zusammen.
00:06:49: Die Idee der Ankunftsstadt, ursprünglich geprägt vom kanadisch-britischen Journalisten und Autor Dax Hornders beschreibt Städte als Übergangsräume, Orte an denen neu ankommende Fußfassen Netzwerke aufbauen und schrittweise Teilurbaner gesellschaft werden.
00:07:04: In dieser Perspektive ist die Stadt nicht nur Kulisse – sie wirkt aktiv mit.
00:07:08: Wohnungsmarkt, Nachbarschaften und lokale Institutionen eröffnen Möglichkeiten oder begrenzen sie.
00:07:14: Es ist also zunächst einmal wenig überraschend dass Migration in Städten sichtbar und zum Gegenstand lokalräumlicher Aushandlungsprozesse
00:07:21: wird.
00:07:22: Überraschent ist eher das dabei ein negativer problemorientierter Blick
00:07:26: dominiert.
00:07:27: Deutlich wird ein solcher an den verwendeten Begriffen bezeichnungen Kategorisierungen.
00:07:32: diese erscheinen oft neutral wissenschaftlich verwaltungstechnisch Das.
00:07:36: Sprache beschreibt Wirklichkeit nicht nur, sie formt
00:07:39: sie.
00:07:40: Sprache beeinflusst unsere Wahrnehmung unser Denken.
00:07:43: Sie prägt soziale Normen und unsere sozialen Realitäten.
00:07:46: Sie ordnet bewertet lenkt unserem
00:07:48: Blick.
00:07:49: Sprache ist macht-und
00:07:50: wirkungsvoll.
00:07:51: In der Sozialwissenschaft gilt deshalb ein einfacher Grundsatz Kategorien sind nie unschuldig.
00:07:57: Sie entstehen in bestimmten historischen Situation erfüllen politische und administrative Zwecke.
00:08:03: Sie produzieren im Kontext existierender Macht- und Herrschaftsstrukturen Bilder davon, wer dazugehört und wer nicht.
00:08:10: Das zeigt sich besonders deutlich beim Sprechen
00:08:13: über
00:08:13: Migration.
00:08:14: Ein Beispiel ist die Bezeichnung Mensch mit Migrationshintergrund.
00:08:18: Erstmals tauchte dieser Begriff Verbreitung fand er, als das Statistische Bundesamt in der Bevölkerungsstatistik nicht mehr nur nach deutscher und ausländischer Staatsangehörigkeit zu unterscheiden sondern dem Migrationshintergrund auszuweisen.
00:08:38: Hintergrund war das Mikrozensusgesetz von zwei Tausendundfünf.
00:08:42: Es legte fest, dass migrationsrelevante Merkmale erhoben werden sollten.
00:08:46: Man wollte Daten über Zugewanderte gewinnen die die deutsche Staatsangehörigkeit erworben hatten und über Nachkommen von Zugewanderten die bislang in der Statistik unsichtbar geblieben
00:08:56: waren.
00:08:57: Nun aber wurden sie markiert als Menschen mit Migrationshintergrund und jenen ohne Migrations-Hintergrund gegenübergestellt.
00:09:03: Der Begriff Migrations Hintergrund wirkt wie eine dauerhafte Markierung von vermeintlicher Andersheit, er verweist auf Herkunft auch dort wo Migration längst keine eigene biografische Erfahrung mehr ist.
00:09:15: Gleichzeitig klammert er bestimmte grenzüberschreitende Migrationsprozesse aus etwa die Fluchtbewegungen der DDR.
00:09:22: Die ursprünglich statistische Kategorie wurde von Medien und Politik aufgegriffen und verbreitet.
00:09:27: Sie entwickelte schnell ein Eigenleben, und formt bis heute soziale
00:09:31: Wirklichkeit.".
00:09:33: Der Migrationshintergrund wird in der Regel von außen zugeschrieben
00:09:36: – dennoch
00:09:36: werden die damit bezeichneten als real existierende Gruppe
00:09:40: wahrgenommen.
00:09:41: Anne-Kathrin Will, derzeit Vertretungsprofessorin an der Hochschule Zittau-Görlitz, forscht seit vielen Jahren zum Konstrukt des Migrations Hintergrunds.
00:09:50: Am Rande eines Workshops zur Produktion von Wissen über Migration in der Stadt erläutert sie, warum diese Kategorie problematisch ist und was sie mit der Stadtbilddebatte zu
00:09:59: tun hat.
00:10:00: Migrationshintergrund an sich ist vom Konzept her eine Sammelkategorie.
00:10:07: Also Migrations-Hintergrund, wenn ich es jetzt so nenne im Grunde heißt eigentlich erst mal gar nichts weil über dazugehört entweder mit oder ohne Migrationssintergrund.
00:10:15: und alle die bisher jetzt auch gedacht haben ah ja mit Migrations Hintergrund sieht man schon den Bayer's Die Verkürzung die wir alle im Kopf haben wenn wir Migrations hintergrund hören.
00:10:25: wie denken wir automatisch an Personen Mit Migrations hintergrund?
00:10:30: Und die verbinden sich diese Bilder mit bestimmten Zuschreibungen.
00:10:35: Im Kontext von Stadtbild hat Herr Merz das ja auch benutzt, also er hat damit gespielt dass Menschen diese Vorstellungen haben und hat dann eben auch noch mal gesagt wenn sie es nicht wissen dann fragen Sie ihre Töchter womit auch nochmal ... Zum einen auch ein rechter Diskurs, ein rechtspopulistischer Diskurs aufgegriffen wurde eben die eigenen, unsere Frauen zu schützen.
00:11:01: Die dort auch als unsere Frauen und Töchter verbal begrifflich repräsentiert werden.
00:11:08: Und gleichzeitig spielt er dort mit Bildern von Sexualstraftätern.
00:11:15: Das ist die Problematik hinter dieser Stadtbilddebatte.
00:11:18: Gleichzeitig auch mit ... zunehmend sichtbarer Vielfalt, dass sich vor allen Dingen in der städtische Quartiere wandeln von der Bewohner-Rinnschaft her und dass das auch offensichtlich ist.
00:11:34: Und anders aussieht als wenn wir heute einen Innenstadtphoto sehen.
00:11:37: Anders aussieht also in den Fünfzigerjahren so.
00:11:39: aber das ist halt die Frage es wollen wir wieder an den Fünftigerjahren leben?
00:11:42: Ist das unser Anspruch, dass Innenstädte Such aussehen sollen oder nicht?
00:11:46: Das ist das, was sich mit Migrationshintergrund verbindet.
00:11:50: Diese Bilder...
00:11:51: Der Migrations-Hintergrund ist eine diffuse Kategorie die Differenz
00:11:55: markiert.
00:11:56: Aufgeladen ist sie mit Bildern, die die Wahrnehmung von zugewanderten und ihren Nachkommen auch deshalb als Problem zementieren weil Sie sich im öffentlichen Diskurs mit rassistischen Erzählungen
00:12:05: verbinden.
00:12:06: Statt Verwaltungen pochen darauf, dass es notwendig sei, Daten über ihre Bevölkerung zu erheben – auch zum Migrationshintergrund.
00:12:13: Sie müssten wissen wo Menschen leben, welche Bedarfe bestehen und wo Ungleichheiten auftreten um Angebote- und Maßnahmenplanen
00:12:20: zu können.
00:12:21: Sprachförderung in Kitas Unterstützung in Schulen Wohnraum Quartiersarbeit Seda Rass-Turgut war viele Jahre Integrationsbeauftragte der Stadt Osnabrück.
00:12:31: Inzwischen ist die Professorin an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Holzminden, sie kennt beide Seinen – die der Verwaltung und die der Wissenschaft.
00:12:40: Rastorgut erläutert das was in der Stadtforschung als klassisches Governance-Dilemma beschrieben
00:12:45: wird
00:12:46: zwischen dem Anspruch gezielt zu fördern und der Gefahr Gruppen dauerhaft zu markieren.
00:12:51: Also in meiner Doppelrolle als ehemalige Integrationsbeauftragte und jetzt auch Wissenschaftlerin sehe ich das Spannungsfeld insbesondere indem, dass wir einerseits natürlich Daten brauchen um auf bestimmte Missstände auch aufmerksam zu machen.
00:13:06: Auch soziale Ungleichheit sichtbar zu machen in der Stadt Und auch natürlich Ressourcen zu bekommen für bestimmte Zielgruppen für bestimmten Maßnahmen.
00:13:15: gleichzeitig setzen wir einen Marker auf die Menschen, die entweder einen Migrationshintergrund haben und keinen Migrations-Hintergrund.
00:13:23: Und wenn wir uns sich statt Osnabrück angucken, da hat fast das jedes zweite Kind einen sogenannten Migrationsintergrund unter sechs Jahren.
00:13:31: also es sagt eigentlich gar nichts aus.
00:13:34: Und diese Amivalenz, mit der müssen wir umgehen.
00:13:37: Wir müssen gucken wie wir die Daten so kontextualisieren dass sie vielleicht einen bestimmten Sachverhalt darstellen aber nicht die Selbstinterpretationen der Menschen darstellen und ich würde plädieren dafür auch Modelle zu entwickeln wo wir mal abfragen können welche Identität die Menschen auch gerne erfasst bekommen wollen würden.
00:13:56: Das könnte man mal ausprobieren, das finde ich sehr, sehr spannend.
00:13:59: Andererseits war nicht auch davor Kategorisierungen unhingterfragt zu übernehmen und immer die Frage auch zu stellen wer definiert die Macht?
00:14:10: Die Definitionsmacht über diese Kategorie?
00:14:13: von wem werden diese kategorien hergestellt und die Daten produziert?
00:14:18: Um Ihre Bevölkerung beschreiben und zählen zu können, müssen Verwaltungen zunächst Kategorien
00:14:23: bilden.
00:14:24: Und indem Sie die Stadtbevölkerung entsprechend klassifizieren, schreiben sie soziale Grenzen
00:14:29: fort.
00:14:30: Kategorian sind mächtig – im öffentlichen Diskurs werden Sie schnell zur Identitätszuschreibungen!
00:14:35: Kategorisierungen bleiben aber nicht bei Menschen stehen, sie schreiben sich in Räume ein.
00:14:40: In der Stadtforschung spricht man in diesem Zusammenhang von der Verräumlichung sozialer Differenzen – Migration, Armut und soziale Ungleichheit werden dabei nicht nur gezählt sondern geografisch verortet.
00:14:51: Bestimmte Stadtviertel geraten so unter ein besonderes Beobachtungsregime.
00:14:55: Sie gelten als blastet, als sozialer Brennpunkt, als Ghetto oder als Problemvierteln.
00:15:01: Diese Begriffe sind keine neutralen Beschreibungen, sie funktionieren als räumliche Etiketten.
00:15:06: Wer aus einem solchen Viertel kommt trägt dieses Etikett oft mit sich auch außerhalb des Stadtteils – das gilt besonders für Menschen die als migrantisch gelesen werden!
00:15:15: Die Forschung zeigt dass Menschen schon aufgrund der bloßen Nennung einer Adresse Diskriminierung erfahren
00:15:20: können
00:15:21: in der Schule und im Arbeitsmarkt im Kontakt
00:15:23: mit Behörden.
00:15:24: Der französische Stadtsoziologe Loic Wacquant hat dies als territoriale Stigmatisierung bezeichnet.
00:15:30: Der Raum selbst wird zum Träger von Bedeutung.
00:15:33: Nicht die individuelle Biografie steht dann im Vordergrund, sondern die symbolische Aufladung des Ortes an dem die Person lebt.
00:15:41: Eine zentrale Rolle in solchen Stigmatisierungsprozessen spielt die mediale Berichterstattung.
00:15:46: Dies zeigt ein Blick nach Leipzig, so berichtet Stojan Gugutschkow, der dort ab dem Jahr aber ausländerbeauftragter wirkte und bis das Referat für Integration leitete wie eine bestimmte Straße der Stadt in den zweitausender Jahren zum gefährlichen Ort stilisiert wurde – die Eisenbahnstraße!
00:16:06: Ja, es hat sich gerade in Leipzig etwas entwickelt was für ausdeutsche Verhältnisse neu war.
00:16:12: Es hat sich eine Konzentration von Menschen mit Migrationshintergrund entwickelt die in der Eisenbahnstraße, die inzwischen bundesweit berühmt-berüchtigt ist.
00:16:23: ich finde aber zu unrecht.
00:16:24: also zum einen wurden dort die Ausländeranteile überbewertet.
00:16:29: Die waren zwar für ausDeutsche verhältnisse hoch das waren zehn fünfzehn zwanzig Prozent oder so Aber man konnte keinesfalls von Gettos reden.
00:16:38: Diese Konzentration hat sich dadurch ergeben, dass dort viel Wohnungsleerstand und Laden-Leerstand war.
00:16:44: Und da haben sie sich in diese Wohnungen Ausländer eingemietet oder Ausländern haben diese gekauft und dann an Landsleuten vermietet.
00:16:51: Die leerstehenden Läden wurden vom ausländischen Gewerbetreiben übernommen mit wirklich guten Angeboten an Lebensmittel, Döner selbstverständlich auch und ähnliches.
00:17:02: Allerdings kam auch Kriminalität mit dem Spiel.
00:17:04: Und was mich immer gestört hat, war gerade diese Entwicklung im Vordergrund der Medienberichterstattung.
00:17:11: gerutscht ist zu Unrecht und da hieß es irgendwann mal in der Bildzeit um die gefährlichste Straße Deutschland oder Ähnliches.
00:17:19: Nicht nur Medien, auch Stadtverwaltungen stricken mit an der Vorstellung vom Migrantischen Räumen als problematische
00:17:25: Räume.
00:17:26: Viertel mit einem hohen Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund werden dann zum Beispiel in Stadkkarten mit der Signalfarbe rot markiert und so durch die visuelle Darstellung problematisiert.
00:17:36: Die Kategorie Migrations-Hintergrund wandert damit von den Menschen in einen
00:17:40: Raum –
00:17:41: In der öffentlichen Wahrnehmung aber verschmelzen Ort
00:17:44: um Bewohnerinnen!
00:17:45: Das Viertel gilt als Problem, weil dort bestimmte Menschen leben.
00:17:49: Und diese Menschen gelten als problematisch, weil sie von dort kommen
00:17:52: –
00:17:53: ein zirkulärer Prozess!
00:17:54: Einmal etablierte Raumetiketten reproduzieren sich selbst in Medien im politischen Debatten und im
00:18:00: Alltag.
00:18:01: Auch die Wissenschaft ist an der Aufrechterhaltung dieses Bildes beteiligt wie Francina Guggenberger, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Osnabrück
00:18:10: beschreibt.
00:18:12: Wissenschaft bildet empirisch beobachtbare Realität nicht objektiv ab, sondern spiegelt immer die particulare und subjektive Perspektive der forschenden Person wieder.
00:18:22: Und damit schafft Wissenschaft soziale Realitäten.
00:18:26: Deswegen schauen wir uns auch in unserem Forschungsprojekt ganz dezidiert eben die Rolle der Wissenschaft an – und die Rolle, die sie in der Produktion aber auch in der Reproduktion solcher Raumbilder- und Etiketten spielt.
00:18:39: Dabei fragen wir dann eben auch nach den Praktiken und Umständen sowie den Bedingungen unter denen das Wissen entstanden ist, und auch danach was mit dem Wissen nach der Produktion eigentlich geschieht.
00:18:50: Also informiert es statt verwahltheorisches Handeln oder wird es eher ignoriert?
00:18:55: Die Perspektive der Beschriebenen eben migrantisierten oder problematisierten Menschen, darf dabei aber auch nicht vergessen werden.
00:19:04: Das heißt die Frage, wessen Perspektive in die Produktion von Wissen einbezogen wird oder eben auch nicht ist für uns von
00:19:10: Bedeutung.".
00:19:12: Auf die Diagnose sogenannte Problemviertel folgt in der Stadtpolitik oft eine scheinbar einfache Antwort
00:19:17: –
00:19:18: soziale Mischungen.
00:19:19: Dieses Leitbild ist nicht neu.
00:19:21: Es reicht in seinen Grundzügen bis ins XIX.
00:19:23: Jahrhundert zurück, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es in der Stadtplanung systematisch aufgegriffen zunächst im Kontext sozialer Ungleichheit dann auch im Zusammenhang mit Migration.
00:19:34: Soziale Mischung einer Nachbarschaft oder einer Stadt meint dabei, dass dort Personengruppen mit unterschiedlichen sozialstrukturellen Merkmalen zusammenleben.
00:19:43: Die Annahme hinter diesem Leitbild ist die Vorstellung, dass sich soziale Probleme abschwächen, wenn in einem Stadtteil zum Beispiel Reiche und Arme, Migrantinnen- und Nichtmigrantinnen zusammen leben.
00:19:53: Mit sozialer Mischungen verbinden sie dabei normative Vorstellungen – die Idee einer ausgewogenen Nachbarsschaft und eines funktionierenden sozialen Zusammenhalts.
00:20:02: Heike Hahnhörster, Juniorprofessorin an der TU Berlin forscht zu der Frage wie Stadtplanung zum mehr gesellschaftlicher Teilhabe beitragen
00:20:09: kann.
00:20:10: Sie sieht das Leitbild der sozialen Mischung kritisch.
00:20:14: Also einmal existieren diese Leitbilder wirklich ja schon über Jahrzehnte sind tradiert eine gute Mischungen wird hier auch häufig gesagt so mit einer gewisserweise auch Stabilität von Quartieren.
00:20:27: Und kritisch ist es deswegen, weil dieses Leitbild häufig auf bestimmte Quartiere nur angewendet wird.
00:20:33: Also Mischung bzw damit verbundene Stabilität betrifft dann mit diesem eingeschränkten Blick vor allen Dingen benachteiligter Viertel.
00:20:43: und das bedeutet dann ganz konkret dass in einem Gebiet was von Armut geprägt ist die Hoffnung besteht in diesem viertel durch mehr Mittelschicht das Gebiet zu stabilisieren.
00:20:59: Aber der Effekt ist ja, dass Wohnraum häufig quasi dezimiert wird also, dass statt eine Wohnung an eine vulnerable Person zu vergeben gesagt wird mit der Mittelschicht können wir dieses Gebiet stabiliseren und das Schwierige ist irgendwie, dass es ja so voll um die Ecke gedacht ist.
00:21:22: Also warum wenn es uns darum geht eine Personen zu stabilisiere Ja, dann wird ihnen doch mehr geholfen dadurch dass wir eine die beste Schule in dieses oder eine gute sagen wir mal einfach nur eine gut ausgestattete Schule zur Verfügung stellen.
00:21:35: So, das heißt ich sehe es kritisch weil es ein verengter Blick ist.
00:21:40: Ein verengster Blick auf bestimmte Quartiere.
00:21:42: Ich habe nichts dagegen wenn privilegierte Viertel stärker gemischt werden also mehr Wohnraum auch für vulnerable Bevölkerungsgruppen dort zur Verfügung gestellt werden.
00:21:52: Ich glaube aber dass dieses hinterherrennen hinter diesem Leitbild so einen Ja, ich weiß nicht.
00:21:57: So eine nebulöse Debatte ist die eigentlich ... Wir haben gar nicht die Werkzeuge und Instrumente das so umzusetzen.
00:22:02: also Mischung wie wollen wir es erreichen?
00:22:04: Und das führt auch dazu dass die Bevölkerung die da ist das Gefühl hat Dass sie nicht die richtige ist.
00:22:10: Also wenn jetzt klar ist Ich wohne in einer benachteiligten Viertel und das soll mehr gemischt werden dann heißt Es ja irgendwie ich bin hier nicht richtig am Platz und Ist.
00:22:17: Das ist nicht das Signal Was wir aktuell auch im Zeichen von starken dem Rechtspopulismus senden wollen.
00:22:26: Soziale oder ethnische Mischung ist also keine neutrale Forderung, sondern ein Leitbild mit asymmetrischer Schlagseite.
00:22:33: Gemeint es meist nicht vielfalt in allen Richtungen, sondern die gezielte Ansiedlung sozial-bessergestellter Gruppen – in als problematisch oder migrantisch markierten Vierteln während umgekehrt sozial besser gestellte oder wenig von Migration geprägte Quartiere selten in den Fokus solcher Politik
00:22:49: geraten.".
00:22:50: Bestimmte Lebensweisen gelten implizit als stabilisierend, anderer als problematisch.
00:22:55: Mischung wird so schnell zu einem ordnungspolitischen Instrument
00:22:58: –
00:22:59: das Abweichungen regulieren soll, räumlich und sozial.
00:23:02: So galten die wachsenden Ausländeranteile im westdeutschen Großstädten in den neunzehnhundertsehntiger Jahren als bedrohliche
00:23:08: Entwicklung.
00:23:09: Mit Blick auf die USA warnten damals Politik-, Medien- und Sozialwissenschaften vor der Entstehung von Gettos in der Bundesrepublik.
00:23:17: Mittels Kartierungen wurden aus Linderkonzentrationen in Städten identifiziert, die über Instrumente wie Zuzugs und Vergabeschwerden aufgelöst werden sollten.
00:23:27: Auf diesem Wege trugen die Kommunen ihrerseits zur territorialen Stigmatisierung von Stadträumen
00:23:32: bei
00:23:33: – die als Migrantisch markiert
00:23:34: wurden.".
00:23:35: In Wissenschaften und kommunalpolitischer Praxis gab es aber auch Versuche, Migration nicht als Abweichung zu thematisieren oder zu verwalten sondern als strukturellen Bestandteil urbaner Gesellschaften und als normale Erfahrung des städtischen Alltags anzuerkennen.
00:23:50: Der Historiker David Templin forscht einer Universität Osnabrück dazu wie sich solche Perspektiven in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts entwickelten.
00:24:00: In den Neunzehntsiebzüge und Achtzigerjahren waren Stadtteile westdeutscher Großstädte wie Berlin-Kreuzberg oder das Frankfurter Bahnhofsviertel von alter Bausubstanz, Verfalle und den Wegzügen der etablierten deutschen Bewohnerinnen und Bewohner geprägt.
00:24:13: In der öffentlichen Diskussion galten sie zunehmend als Problemstadtteile auf dem Weg zum Ausländer Ghetto.
00:24:19: Es wandern Studentische und links-alternative Milieus, die diese Viertel daraufhin für sich entdeckten.
00:24:24: Und eben so als Bund aufregend und kosmopolitisch deklarierten.
00:24:28: Dabei spielt ja auch die Entdeckung migrantischer Gastronomie eine zentrale Rolle also die südeuropäische Küche, die man im Urlaub kennen und schätzen gelernt hatte.
00:24:36: vor diesem Hintergrund übernahmen Alternative und vor allem auch kirchliche Akteure in den neunzeitachtiger Jahren Die Idee der multikulturellen Gesellschaft aus dem angloamerikanischen Raum und übertrugen sie dann auch auf die bundesrepublik.
00:24:47: Diese Idee von Deutschland als multikultureller Gesellschaft wurde Ninzehundertneunundachtzig in Frankfurt am Main auch auf städtischer Ebene aufgegriffen.
00:24:57: Frankfurt bildete damals nicht nur einen international bedeutendes Wirtschafts- und Finanzzentrum, sondern war auch die Stadt in Deutschland mit dem höchsten Anteil an Zugewanderten.
00:25:06: Im Zuge der Regierungsbeteiligung der Grünen wurde dort Ninzehnhundertnäunundachzig das Amt für Multikulturelle Angelegenheiten kurz AMK gegründet.
00:25:17: Die zentrale Idee dahinter – Städte sind dauerhaft von kultureller Vielfalt geprägt.
00:25:21: Diese Vielfald ist kein Übergangszustand, sondern eine Realität die politisch anerkannt und aktiv gestaltet werden
00:25:28: muss.".
00:25:29: Die Initiative zur Gründung des AMK ging von Daniel Cohn-Bendit aus, der als staatenloser Sohn jüdischer Flüchtlinge in Frankreich aufgewachsen war und als Protagonist der französischen æchzen sechziger Bewegungen internationale Bekanntheit erlangt
00:25:42: hatte.
00:25:43: In den neunzehntetachziger Jahren engagierte er sich bei der neuen Partei die Grünen.
00:25:48: Rot-Grün gewinnten die Wahlen in Frankfort, neue Mehrheit.
00:25:56: Wir schlagen vor, dass wir ein Amt für Einwanderung machen wollen.
00:26:01: Dann gingen wir in Koalitionsverhandlungen mit der SPD, mit einem Papier Frankfurt, Deutschland ist ein Einwarnerungsland Frankfurt ist eine Einwanderung statt.
00:26:16: Da fängt die Auseinandersetzung an, die SPD-Vertreter hat nicht der zukünftige Oberbürgermeistervölker auf, denn Modernisierer war das sofort verstanden.
00:26:27: aber die SPD Frankfurt war
00:26:30: klar
00:26:30: aussagt dass es mit uns nichts zu machen und wir haben drei Stunden diskutiert über die Frage mindestens drei Stunden sind wie ein Einwarnerungsland oder in Frankfurt eine Einwandernung statt.
00:26:43: Und nach drei Stunden ist uns ein Kompromiss eingefallen.
00:26:48: Frankfurt ist nicht eine Einwanderungsstadt, sondern Frankfurt ist eine zunehmend multikulturelle Zeit
00:26:54: statt.
00:26:55: Das war der Kompromiss und diese Multikulturellen Zeit bekommt das Amt für multikulturelle Angelegenheit in Frankfurt.
00:27:05: Wir haben nie gesagt die multikulturale Gesellschaft ist eine Utopie.
00:27:10: Das haben wir nie gesagt!
00:27:11: Wir haben gesagt, es ist eine Realität.
00:27:14: Anders als assimilatorische Modelle setzte die Idee des Multikulturalismus auf Anerkennung
00:27:20: – auf kulturelle
00:27:21: Rechte und auf die Sichtbarkeit von Differenz.
00:27:24: Aus heutiger Perspektive lässt sich dieser Ansatz als ambivalent bewerben.
00:27:28: Einerseits markiert er einen wichtigen Perspektivwechsel, brach er doch mit der Vorstellung einer homogenen Stadtgesellschaft.
00:27:34: andererseits kritisiert die Forschung das Kultur häufig zur zentralen Erklärungskategorie wurde.
00:27:40: soziale Ungleichheiten und strukturelle Benachteiligung gerieten dabei teils aus dem Blick.
00:27:45: Differenz wurde anerkannt, aber auch fixiert – so eine bereits zeitgenössisch geäußerte Kritik.
00:27:52: Forschungen zur Gentrifizierung haben zudem gezeigt dass Anrufungen vom Multikulturalismus und Vielfalt nicht nur zu kulturellen Aufwertung von Quartieren beitragen sondern auch ein Element in einem ökonomischen Aufwertungsprozess bilden um quasi zur Vermarktung bestimmter Viertel beitrage können.
00:28:12: Vor allem die innenstädtischen Altbauviertel, die im späten zwanzigsten Jahrhundert noch von verfall und ausbleibenden Investitionen in den Gebäudebestand geprägt waren haben in den letzten Jahrzehnten oft rasante Prozesse der Aufwertung durchlaufen.
00:28:25: Ein Prozess, der sich auch an der Leipziger Eisenbahnstraße beobachten lässt.
00:28:31: Inzwischen sieht es ganz anders aus.
00:28:33: Also dort sind die Häuser dobsaniert, es geht ja nicht um die Einstrasse, sondern um Feld, sogenannte Leipziger Osten.
00:28:40: Dort ziehen junge Menschen hin und gerne studieren hin, weil
00:28:44: dieses
00:28:45: Flair ... einer Multikultistadt auch gerne genießen, wo auch durchaus selbstverständlich ein Zusammenleben funktioniert.
00:28:54: Wo aber auch die Verwaltung darauf achte, dass die Räume dafür da sind.
00:28:58: Also dort ist wirklich Leben in der Stadt und ich kann mich erinnern an Zeiten, wo Besucher der Stadt extra dorthin sind um zu sehen wie im Osten Deutschlands vielleicht mal Multi-Kulti hat das ja gefunktioniert!
00:29:11: Wie ist denn das?
00:29:11: Und viele waren da statt.
00:29:13: Was?
00:29:13: Wie sieht's denn hier aus?
00:29:14: als was wie Kreuzberg oder so.
00:29:17: Ich kann nur sagen, gehen Sie heute dorthin in die Eisenbahnstraße schauen sich jetzt um.
00:29:22: es ist ein sehr lebendiges Stadtteil und die Menschen, die dort wohnen, tuns auch gern.
00:29:27: Es ist vielleicht auch für Besucher ein interessanter Anlaufpunkt.
00:29:33: Das ist unweit vom Hauptbahnhof.
00:29:34: Man kann gerne dort planieren In der wärmeren Jahreszeit Und sich umschauen Vielleicht auch was Schönes einkaufen.
00:29:41: Ein anderes Beispiel für Versuche, mit der problemzentrierten Perspektive zu brechen um Migration als Normalfall urbaner Erfahrung anzuerkennen ist das Konzept des Ankunftsquartiers.
00:29:52: Der Begriff geht auf internationale Debatten zurück und wurde unter anderem durch den Journalisten Dax Horn das geprägt.
00:29:58: Sein Jahrzehntzehn erschienenes Buch trug den Titel Arrival City.
00:30:03: Seit etwa zwei Tausendundfünfzehn griffen zunehmend auch Migrationsforscherinnen dem Begriff auf und entwickelten ihn weiter.
00:30:10: Ankunftsquartiere bezeichnen Stadtteile, in denen nicht nur viele neu zugewanderte Menschen leben sondern die auch reich an sozialen Infrastrukturen sind.
00:30:19: Die das Ankommen in der Stadtgesellschaft ermöglichen.
00:30:22: Es handelt sich um Orte mit vergleichsweise günstigen Mieten und bestehenden Netzwerken.
00:30:27: Aus wissenschaftlicher Sicht sind Ankunftsquartere oftmals Orte des Übergangs.
00:30:32: Sie erfüllen eine zentrale Funktion indem sie Zugang zur Arbeit Wohnraum- und sozialen Kontakten
00:30:37: bieten.
00:30:38: Ankunftsquartiere sind dynamische Räume.
00:30:40: Viele Bewohnerinnen bleiben nicht dauerhaft, sie ziehen weiter andere kommen
00:30:44: nach.
00:30:45: Heike Hahnhörster hat maßgeblich zur Entwicklung des Konzepts Ankunftsquartier beigetragen.
00:30:51: Sie möchte dieses dem Stadtplanerischen Leitbild der sozialen Mischung entgegensetzen.
00:30:56: Also anknüpfend genau an dieser Fragestellung von brauchen wir mehr Mischung, kann das Konzept der Ankunftsquartiere zumindest dazu beitragen etwas darauf aufmerksam zu machen dass auch Gebiete die erst mal nicht
00:31:13: so
00:31:13: von der Zusammensetzung per se bestens gemischt sind also wie die vielleicht Wohnungswirtschaft oder Kommunalverwaltung das sehen würde sondern in Bezug auf den Migrationshintergrund beispielsweise oder auch Armut eine bestimmte Konzentration haben.
00:31:30: Aber der Blick auf diese Quartiere und das Stärken dieser Quartier bietet die Möglichkeit, diesen Mischungsideal eigentlich etwas entgegenzusetzen.
00:31:39: zu sagen es ist viel zu sehr über Umwege gedacht die Menschen zu verteilen Und was haben wir davon?
00:31:47: So eine Verteilung von als problematisch migrantisierten Personen?
00:31:52: ist es nicht viel besser, einfach da wo Menschen leben sie dazu stärken und wir stellen fest das eben auch genau in Ankunftsquartieren.
00:31:59: Auch wenn ich sehr explizit sagen möchte dass diese Ankunftsquartiere also das wird jetzt nicht so ein euphemistischen Blick darauf werfen sollten da funktioniert alles prima, sondern die Leute landen da.
00:32:12: Weil sie woanders keinen Zugang bekommen häufig.
00:32:15: Vielleicht auch weil die Netzwerke in diese Quartiere gelenkt haben aber sie dann genau dort zu stärken und den Blick auf die Zeitlichkeit von Ankommen zu richten was ja auch Teil dieses Konzeptes ist.
00:32:28: Die Leute kommen an Ja und dann?
00:32:31: Die große Frage kommen Sie auch so an dass sie bleiben wollen können oder das sie gut weitergehen können dass es so die Frage, die damit verbunden ist und die ich als eine relevante Ansehe und eine wichtige um eben auch bestehende Paradigmen etwas in Frage zu stellen.
00:32:48: Heike Hahnhörster weist darauf hin, dass es einige Kommunen gibt die sich selbst als Ankunftsstadt oder bestimmte Stadtteile als Ankunftsquartiere bezeichnen.
00:32:57: Mit
00:32:57: einigen dieser Kommunen arbeitet sie eng zusammen.
00:33:00: Es gebe einen regelmäßigen Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis.
00:33:04: Auch das ist ein Beispiel wie Wissen zwischen verschiedenen Akteuren zirkuliert.
00:33:08: Wie zu Beginn dieser Folge schon angemerkt wurde, ist Migration ein normaler, schon immer dargewesener Bestandteil des städtischen
00:33:15: Lebens.
00:33:16: Daher stellt sich die Frage ob es überhaupt sinnvoll und notwendig ist sie dennoch gesonnert hervorzuheben und ihr damit eine Art Sonderrolle zu
00:33:24: geben.
00:33:25: Das Dilemma, ob das Thema Migration als Sonder- oder Mainstreamthema behandelt werden soll, stellt sich auch in der Verwaltungspraxis.
00:33:32: Hannes Schammann, Professor für Migrationspolitik an der Universität Hildesheim, der viel Mit und Zu statt Verwaltung gearbeitet hat, sagt dazu ...
00:33:41: Migration zu normalisieren kann bedeuten vor Ort ein Mainstreaming zu machen.
00:33:45: Das heißt auf Sonderprogramme zu verzichten und zu versuchen, Migrationssensiblerarbeit in allen Regeln betrieben zu übernehmen.
00:33:55: Es zeigt sich allerdings, dass dieses Mainstreaming häufig nicht funktioniert in der Praxis.
00:33:58: Das heißt das es dann einfach hinten runter fällt und das haben ja viele Konzepte über die Jahrzehnte zum Beispiel zur interkulturellen Öffnung gezeigt, dass das so in der praxis eigentlich nie umsetzbar ist.
00:34:09: Und in der Folge braucht es dann doch irgendwelche Sonderbeauftragten, Integrationsbeauftrage oder irgendwelchen Sonderprogramme oder ganze Abteilungen, die sich dann doch irgendwie spezifisch mit Migrationsfragen beschäftigen.
00:34:23: würde Migration normalisiert im Sinne von wir müssen gar nicht mehr darüber reden, dass es Migration ist.
00:34:28: Dann wird es nicht mehr existent sein in der Kommune als
00:34:33: kommunale
00:34:33: Aufgabe, als
00:34:34: Verwaltungsaufgabe.".
00:34:36: Solange wir aber das Gefühl haben, dass wäre schlecht, braucht es vielleicht eine Bearbeitung des themas Migrationen die eben einer Normalisierung widerspricht.
00:34:45: Und in dem Spannungsverhältnis müssen wir bleiben, dass wir vielleicht normativ eine Normalisierung möchten, ein dauerhaftes Verschwinden von Migration als Problem vor Ort und gleichzeitig aber merken Es gibt Aufgaben, es gibt Bereiche wo wir was tun müssen Leute brauchen die sich darum kümmern und dann Migration als kommunale Aufgabe produzieren müssen.
00:35:06: Nicht allein das Sprechen über Migration, die Konzepte und Begriffe, die wir nutzen um Migration zu beschreiben auch die Verwaltungsstrukturen haben also einen Einfluss darauf wie Migration in der Stadt behandelt und wahrgenommen
00:35:18: wird
00:35:18: ob Migration Als Problem oder Gefahr geraumt und behandelt wird als städtische Realität bzw Normalität oder sogar als Bereicherung oder als ein besonderes Potenzial.
00:35:30: An der Aushandlung dessen, was unter Migration um migrantischen Räumen verstanden wird und wie sie wahrgenommen werden sind eine Vielzahl von Akteuren beteiligt.
00:35:39: Die Forscherinnen, die diese Folge gestaltet haben sprechen von Co-Produktion von Wissen über Migration in der Stadt und untersuchen insbesondere die Rolle von Wissenschaft und Stadtverwaltungen.
00:35:50: Wie aber deutlich wurde gehören auf weitere Akteure dazu – zum Beispiel die Medien oder die Politik.
00:35:56: Und auch die Stadtgesellschaft trägt ihren Teil dazu bei!
00:35:59: Dabei wird am Beispiel der vorgestellten Konzepte vom Ausländer Ghetto bis zum Ankunftsquartier ein Wandel des Blickes auf Migration in die
00:36:07: Stadt
00:36:07: deutlich.
00:36:08: Gleichzeitig sind auch Kontinuitäden
00:36:10: erkennbar,
00:36:11: so ist etwa die Vorstellung dass migrantisierte Menschen und deren Sichtbarkeit in der Stadt ein Problem darstellen nicht neu.
00:36:17: In den letzten fünfzig Jahren erlebte sie immer wieder neue Konjunkturen.
00:36:21: Wie hat sich die Produktion von Wissen zur Migration in der Stadt entwickelt?
00:36:25: Was können wir aus den Überlegungen in dieser Folge mitnehmen, um die Stadtbilddebatte einzuordnen und welche Grenzen haben die aufgezeigten Perspektiven.
00:36:34: Darüber diskutieren abschließend die an dieser Folge beteiligten Forscherinnen Sophie Hinger, Fracina Guggenberger und David
00:36:41: Templin.
00:36:45: Im Herbst-Zweitausendfünfundzwanzig sorgte ja die sogenannte Stadtbild-Debatte für ziemliche Diskussionen – wir haben es auch schon im Podcast gehört!
00:36:54: Und wir als Wissenschaftlerinnen, die sich in der Forschung intensiv mit Migrationen in urbanen Kontexten beschäftigen hat das auch ziemlich beschäftigt und wir haben uns viel darüber unterhalten.
00:37:04: Im Sonderforschungsbereich befassen wir uns in unserem Projekt ja mit städtischen Migrationsräumen also zum Beispiel den im Podcast schon gehörten Ankunftsquartieren und wie diese durch Wissenschaft und Verwaltung mit produziert werden.
00:37:17: Genau!
00:37:17: Wir untersuchen also wie Wissen produziert wird über Migration in der Stadt.
00:37:22: Dabei haben wir uns gefragt, welche Bilder und Konzepte von migrantisch geprägten Stadträumen, von Stadtverwaltungen und Wissenschaftlerinnen entwickelt werden.
00:37:29: Und wie diese gegebenenfalls auch kooperieren oder nicht?
00:37:32: Anfang des Jahres, also im Januar zwanzigzehnt, haben wir einen Workshop hierzu organisiert.
00:37:37: Dafür haben wir Personen aus Wissenschaft- und kommunaler Verwaltungspraxis zusammengebracht.
00:37:42: Einige der Stimmen der Workshops teilnehmen dann haben wir ja gerade im Podcast gehört.
00:37:46: Im Workshop ging es um ganz ähnliche Themen wie jetzt im Podcast.
00:37:49: Zum Beispiel um Fragen der Kategorisierung von Personen als Migranten, um den Umgang von Kommunen mit Migration und um den Einfluss von Forschung auf kommunale Verwaltung.
00:38:00: Der Workshop war Anfang des Jahres.
00:38:03: Das heißt das war nur ein paar Wochen nach der Stadtbilddebatte und deswegen gab's auch immer wieder Bezüge zu dieser Lehre des Workshops
00:38:11: Und in diesem Kontext ist uns ja dann auch die Idee für diese Folge von Productions-Seite gekommen.
00:38:16: Sophie und David, was können wir denn aus dieser Podcast-Folge für unsere eigene Arbeit und unsere eigene Forschung mitnehmen?
00:38:22: Vor allem wenn es eben um die Bearbeitungen von Migrationen in der Stadt geht!
00:38:27: Ja erstmal finde ich spannend, wenn man sich das auch historisch anguckt wie alt eigentlich diese Debatte ist.
00:38:31: also schon vor über hundert Jahren wurde von der Chicagoer Schule der Stadtsozugie über migrantisch geprägte Viertel oder Stadträume geforscht und auch diskutiert Damals natürlich vor dem Hintergrund des US-amerikanischen Kontext von Einwanderung als bestimmte Stadtviertel mit Begriffen wie Kleindeutschland, Chinatown oder Little Italy belegt wurden.
00:38:53: Und diese Frage inwiefern solche Quartiere eigentlich das Ankommen von Migrantinnen befördern?
00:38:58: Oder ob sie eher als problematische Form von Ghettoisierung oder Segregation zu bewerten ist dass hat ja nicht nur die Stadtsozologie, sondern auch andere Disziplinen eben in den folgenden Jahrzehnten und eigentlich bis heute beschäftigt.
00:39:13: Und ähnlich kann man ja auch so eine längere Linie ziehen wenn man sich diese stigmatisierenden Blicke auf migrantische Räume in der Stadt anguckt.
00:39:20: also auch diese lassen sich weit zurück verfolgen wobei ich infrage stellen würde dass sich solche Formen territorialer Stigmatisierung und Problematisierung allein auf den Kolonialismus zurückführen lassen.
00:39:32: So galten beispielsweise Wohnlager, Osteuropäisch-Jüdische Holocaust überlebende in der deutschen Nachkriegszeit und ihre Präsenz im Bahnhofsvierteln als ebenso als störend für das Stadtbild wie die Ansammlung männlicher Arbeitsmigranten aus Südeuropa rund um die Hauptbahnhöfe in den Neunzeitzächsigerjahren.
00:39:49: Ich fand die Ambivalenz oder Spannung ganz wichtig, die sich jetzt auch in dem Podcast wiedergespielt hat.
00:39:55: Zwischen einerseits der starken Präsenz von Migration in der Stadt also dass wir statt gar nicht ohne Migration denken können das sie fast in allen Bereichen des städtischen Lebens sichtbar ist vom Einzelhandel bis hin zum Kulturangebot und auf der anderen Seite dieses fortwährende Problematisieren und das Entfragestellen der Zugehörigkeit von Personen die Teil unserer Stadtgesellschaft sind.
00:40:19: Problematisch ist natürlich, dass derzeit solche Aussagen von höchster Ebene kommen und das deutet für mich einfach auf einen kritischen politischen Moment hin also, dass momentan fremdenfeindliche und rassistische Stimmen immer lauter werden.
00:40:34: Was ich auch total spannend finde, ist eben dass die Debatte sich nicht nur durch die Zeit hinweg durchzieht und eben keineswegs neu ist sondern das sich auch immer wieder die gleichen Leitbilder in der Debatte zeigen.
00:40:46: Beispielsweise das Leit Bild der sozialen Mischung das Heike Hahnhörster schon angesprochen hat.
00:40:51: Das finden wir in allen möglichen Bereichen die das Zusammenleben um die Organisation des Zusammenlebens in einer Stadt betreffen wobei dass eben nur auf eine bestimmte Gruppe angewandt wird und meistens auf migrantisierte Bevölkerungsgruppen.
00:41:07: Das sehe ich auch in meiner eigenen Promotionsforschung, in der ich mich mit der Planung von Asylunterbringungen beschäftige.
00:41:13: Und da spielt das immer wieder eine Rolle wenn Kommunen neue Einrichtungen planen.
00:41:21: oftmals eben auch die Idee oder der Leitgedanke dahinter erstmal Einrichtigungen gleichmäßig über das Stadtgebiet zu verteilen,
00:41:29: um
00:41:30: eine vermeintliche Überforderung der Nachbarschaften nicht zu produzieren.
00:41:35: Wobei wir eben gleichzeitig auch beobachten dass neue Einrichtungen eher nicht in wohlhabenden Vierteln errichtet werden.
00:41:43: Ich finde es spannend an unserem Projekt, aber jetzt auch an den Stimmen die wir auf dem Workshop und jetzt hier im Podcast gehört haben.
00:41:50: Dass wir eben nicht nur diese stigmatisierenden Formen oder problematisierende Blicke auf Migration in der Stadt untersuchen sondern uns eben auch den eher positiv besetzten Perspektiven zuwenden die ja auch irgendwie ambivalent sind also beispielsweise mit Blick Jetzt auf die multikulturelle Stadt, also eine Idee in der ja auch viele kulturalisierende Aspekte enthalten sind oder Vorstellungen von Migration als Bereicherung vielleicht auch als kulinarische Bereicherung.
00:42:17: Aber auch wenn man das Beispiel des Konzepts Ankunftsquartiers nimmt mit dem ich mich selbst auch in meiner historischen Forschung beschäftige.
00:42:25: Dabei sehe ich einerseits eine Stärke in diesem Zugriff, weil das Konzept eben auch den Fokus auf Gelegenheitsstrukturen oder Infrastrukturen richtet an die Migranten in Städten und Stadtvierteln andocken können.
00:42:37: Und gleichzeitig besteht aber auch die Gefahr dass man bestimmte Quartiere irgendwie essenzialisiert oder vielleicht auch verklärt und bestehende soziale Problemlagen Ungleichheitsverhältnisse, Konflikte auch in solchen Quartieren ein bisschen überspielt mit so empathischen und vielleicht auch ein bisschen wagen Begriffen wie Ankommen- und Ankunftsquartier.
00:42:56: David du hattest gerade ein bisschen über Konzepte gesprochen wie das Konzept des Ankunftsquartiers zum Beispiel.
00:43:03: Ich finde es spannend im Zusammenhang mit der Frage nach der Verwobenheit von Stadtverwaltung und Wissenschaft Wie Konzepten zwischen verschiedenen Akteuren wandern.
00:43:13: Dafür ein ganz gutes Beispiel sind die Ideen und Konzepte der Chicago School.
00:43:19: Das haben wir im Podcast schon etwas gehört, da sind Konzepten und Ideen, die im Rahmen des US-amerikanischen Kontextes entwickelt wurden und die dann aber auch in Europa genutzt wurden sowohl in der Wissenschaft als auch der Stadtverwaltung zusätzlich zu diesen sozusagen zu wandernen Konzepzen oder die werden vielleicht zum Teil getragen durch Personen, die in beiden Bereichen arbeiten.
00:43:43: Also durch ihre eigenen Biografien, die beide Bereiche verbinden.
00:43:49: Das haben wir auch beim Workshop gesehen, dass es da Personen gab, die aus beiden Bereichenden einfach Erfahrungen mitbringen und dadurch natürlich auch so eine Kommunikation fördern.
00:43:57: Und auf der anderen Seite sehen wir in unserer Forschung das ist natürlich trotzdem zwei sehr unterschiedliche Bereiche sind mit unterschiedlichen Logiken und auch institutionellen Zielen, die da bedient werden müssen.
00:44:07: Das heißt, letztendlich bleibt es noch eine offene Frage inwiefern wir davon sowas wie einer epistemischen Gemeinschaft oder auch so eine Wissens- oder Erkenntnisgemeinschaft sprechen
00:44:18: können.
00:44:19: Ja das ist mir auch aufgefallen beim Workshop dass es schon ein Feld ist wo eben enge Vernetzung bestehen teilweise auch durch personelle Wechsel du hast es angesprochen zwischen Wissenschaft und Verwaltung Und gleichzeitig hat ja zum Beispiel Hannes Schamann auch beim Workshop gesagt, dass es eben nur ein bestimmter Teil der Verwaltung ist.
00:44:36: Den wir da eingeladen haben zum Workshop und den wir insofern auch im Projekt nur im Blick haben.
00:44:42: Der hat sicherlich einen richtigen Punkt.
00:44:44: das sind wenn man so will Akteure aus dem Integrationsmanagement früher vielleicht unter Bezeichnung wie Ausländer beauftragte die eben viel stärkeren Kontakt haben zu denjenigen Migrationsforscherinnen die eher anwendungsorientierte Forschung zur Frage von Integration machen.
00:45:00: Das fand ich sehr schön zu beobachten, dass es so ein Kreis ist wo die Drähte offenbar relativ eng sind und wo dann eben oft praxisbezogenes Wissen im Vordergrund steht.
00:45:10: Und aus meiner Sicht wäre spannend sich das auch in der historischen Perspektive noch mal näher anzusehen.
00:45:15: also wie bilden sich solche epistemische Gemeinschaften solche wissensgemeinschaft eigentlich heraus?
00:45:20: zerfallen sie vielleicht auch irgendwann oder lassen sich da auch über längere zeit Kontinuiteten beobacht.
00:45:26: Ich finde den Hinweis zu bedenken, mit welchen Aktuellen wir aus der Verwaltung eigentlich sprechen einen guten Punkt oder auch Anlass jetzt gemeinsam noch zu überlegen was wir daraus für unsere jeweiligen Forschungen aber auch unser gemeinsames Forschungsprojekt mitnehmen können.
00:45:41: Was haben wir denn bislang noch nicht gedacht?
00:45:43: Wer fehlt noch und wie machen wir weiter?
00:45:47: David hatte gerade ja schon gesagt, dass wir uns eine bestimmte Teile der Verwaltung angucken.
00:45:51: Das ist auf jeden Fall ein Punkt den wir reflektieren müssen.
00:45:54: Ein anderer ist das wir durch unseren Fokus auf Wissenschaft und Kommunen sozusagen diese Vogelperspektive betrachten.
00:46:02: also wir untersuchen Akteure die selbst die Stadt beobachten bearbeiten bzw regieren.
00:46:11: Was total fehlt dabei ist die Perspektive von unten, also wie aus den Nachbarschaften heraus.
00:46:18: Aus bestimmten Communities, von bestimmten Personen.
00:46:21: Wie zum Beispiel Personen, die selbst als Migrantin adressiert werden.
00:46:25: Wie die auf diese Themen blicken.
00:46:27: Genau das wäre glaube ich eine gute Gegenperspektive zu unserem aktuellen Fokus im Projekt.
00:46:33: Ja und gleichzeitig wäre es bestimmt auch spannend auf Großstädte außerhalb von Deutschland zu schauen.
00:46:37: Also beispielsweise... auf Städte in Dänemark, wo es ein Gesetz gibt.
00:46:43: Das Gesetz gegen Parallelgesellschaften das zunächst Anti-Ghetto-Gesetz hieß, wo anhand von Quoten gesetzlich festgelegt wird welche Menschen in welchen Räumen in der Stadt leben dürfen bzw wie viele Menschen mit bestimmten socioökonomischen Hintergründen oder bestimmten Herkünften leben dürfen und teilweise werden dort nämlich eben Menschen aufgrund einer Zitat nicht westlichen Herkunft, zwangsungesiedelt um eine sozialdurchmischte Stadt herzustellen.
00:47:14: An dem Beispiel wird ja eben auch deutlich welche Rolle Politik spielt, Narrative zu schaffen wie beispielsweise was als Paradiesgesellschaft oder als Ghetto bezeichnet wird oder gilt und dabei ist eben die Politik als Akteur auch super wirkmächtig.
00:47:33: Politische Akteure spielen bei uns im Projekt ja auch eine Rolle, aber ich denke die könnten wir noch stärker berücksichtigen.
00:47:42: Ja das ist total der wichtige Punkt Francina und schließt ja auch wieder ganz gut an die Stadtbilddebatte an.
00:47:48: Da könnte mir sicherlich unsere Perspektiven weiten wenn wir uns nicht nur die Konjunktur solcher Debatten am Zeitverlauf anschauen sondern auch über Deutschland hinausgehen also zu sehen wie in anderen Ländern solche Debatten geführt werden und auch zu vergleichen wie politisch dass genutzt wird, diese stadträumlichen Bezüge und Problematisierung von Migration in der Stadt.
00:48:10: Umwählerinnenstimmen zum Mobilisieren.
00:48:13: Und letztendlich ist ja die Frage sozusagen welchen Einfluss so eine politische Rhetorik hat auf die Wahrnehmung von Migration an der Stadt?
00:48:19: Und dann eben ganz konkret für das Zusammenleben.
00:48:23: Das war Production Sight – Der Podcast über die gesellschaftliche Aushandlung von Migrations.
00:48:29: Vielen Dank fürs Zuhören!
00:48:31: Wenn euch diese Folge zum Nachdenken gebracht hat, abonniert uns gerne und empfehlt uns weiter.
00:48:37: Alle Credits, Quellen und weiterführenden
00:48:39: Links
00:48:40: findet ihr in den Show-Notes und auf producingmigration.org.
00:48:44: Production Zeit ist eine Produktion des Sonderforschungsbereichs – Produktion von Migration an der Universität Osnabrück gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Zusammenarbeit mit der Podcastfabrik
00:48:56: Bielefeld.
00:48:57: Neue Folgen gibt's überall dort wo es Podcasts gibt.
00:49:00: Bis zum nächsten Mal und bis dahin, was wird gerade produziert?
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